9. September 2010

Internationale Weltsensation: Erste, exklusive DMadR-Leseprobe

Eingetragen unter „Radsportbücher, Trainingstagebuch, Seegerse und Kalinen“ von Ulf

Ich habe ja alles versucht, um es so lange wie möglich hinauszuzögern, aber jetzt ist mir endgültig meine allerliebste Lieblingsausrede für Trainingsabsagen etc. weggebrochen: “Dicker Mann auf dünnen Reifen” (das Buch) ist fertig, abgeliefert, redi- und korrigiert und sozusagen schon so gut wie fast im Druck. VÖ, wie wir Nasen vom texterarbeitenden Gewerbe sagen, ist am 1.10. Ich glaube das erst, wenn’s soweit ist. Ich und ein Buch - Hammer! Zum Reinschnuppern ist hier mal eine kleine Leseprobe. Es kommen sogar zwei Leetzenritter darin vor. Wer sie erkennt, darf sich in Billerbeck ein Eis kaufen.

Zwei Eiskugeln für ein Halleluja
Darup, Schöppingen, 27. September 2008
Kinder, wie die Zeit vergeht! Jetzt ist es tatsächlich nur noch eine Woche bis zum Giro und damit höchste Zeit für eine Generalprobe. Thomas und Rob fanden das auch, und deswegen treffen wir uns bei mir, um ein letztes Mal ohne Zeitdruck die Strecke zu befahren. Außerdem wollen wir uns ein paar Ortsdurchquerungen genauer anschauen, weil einige Gemeinden die glorreiche Idee hatten, den Verlauf im letzten Moment zu ändern. Dabei ist die Strecke löblicherweise schon seit Ostern bekannt und für uns Hobbyradler zur besseren Vorbereitung ausgeschildert.
Zuerst geht es wieder nach Darfeld, aber genau an der Stelle, an der ich beim letzten Mal den Reifen flicken musste, streikt Robs Schaltung. Wir halten, Rob dreht an dieser Schraube und zieht an jenem Draht, bis wir nach fünf Minuten weiterfahren, ohne dass sich das Schaltwerk davon nennenswert beeindruckt zeigte: Robs Trittfrequenz wechselt quasi sekündlich zwischen zehn und hundert Kurbelumdrehungen.
Umso bewundernswerter, dass er die meiste Zeit vorne fährt, und das nicht gerade langsam. Streckenweise sind wir mit vierzig Sachen unterwegs. Aber das Wetter scheint heute auch eigens für uns gemacht: Sonne satt und so gut wie kein Wind.
In Ahaus bewahrheitet sich, was wir schon gerüchteweise gehört hatten. Am Renntag wird die Strecke nicht, wie bisher ausgeschildert, über die breite Durchgangsstraße führen, sondern mitten durch die verwinkelte, kopfsteingepflasterte Altstadt. Kein Problem, da stehen ja lediglich ein paar Bänke, ein Brunnen und dicke Betonpoller. Das kann ja heiter werden!
Wir lassen uns indes davon nicht beirren und steuern den Schöppinger Berg an. Wie üblich komme ich als letzter, aber ohne Probleme hinauf, und weiter geht es über Horstmar nach Laer, wo wir die Rennstrecke verlassen und über die Beerlage nach Billerbeck hinauffahren. Hier lerne ich einen Anstieg kennen, den ich vom ersten Moment an leidenschaftlich hasse. Er ist ewig lang, sieht nach nichts aus, zieht mir aber jede Energie aus den Beinen. Meine Begleiter sind schon lange oben, hunderte Meter vor mir, unterhalten sich angeregt und schauen immer wieder nach hinten, um zu sehen, wo ich denn bleibe. Ich strample und strample, habe aber das Gefühl, keinen Meter vorwärtszukommen. Schließlich schaffe ich es aber doch noch, und wir nehmen wiedervereint die Schussfahrt nach Billerbeck unter die Räder.
Dort angekommen, hat Rob die beste Idee des Tages, nämlich uns auf ein Eis einzuladen. Fünf Minuten später sitzen wir auf den sonnenwarmen Sandsteinstufen vor dem mächtigen Billerbecker Dom und lassen uns Malaga, Sahne-Kirsch und Stracciatella schmecken.
“Wann fährst du denn deinen Downer?” Rob will das wissen, und er meint offenbar mich.
“Meinen was?”
“Na, deinen Downer. Jetzt sag nicht, du hast keinen Downer in deinem ausgefuchsten Trainingsplan!”
“Wie jetzt? Du kennst doch meinen Trainingsplan, ich hab keinen verdammten Downer!” Mein etwas panischer Tonfall gefällt mir gar nicht. “Was ist denn das überhaupt, ein Downer?”
“Die letzte Trainingseinheit, bevor’s ernst wird.” Rob wedelt mir mit dem Rest seiner Eiswaffel vor dem Gesicht herum, kuckt wichtig und fährt fort: “Die, bei der du merkst, dass das ganze Training für die Katz war. Dann biste natürlich entsprechend down.”
Rob findet das lustig. Tom auch.

Zuhause muss ich natürlich sofort “Downer” googeln und tatsächlich: Das gibt es wirklich. Ich will auch sowas! Aber wann? Morgen ist Sonntag und K.s Geburtstag, Tag der Herrin gewissermaßen, ob ich da zwischendurch mal…? Nein. Sonst schwingt K. die Luftpumpe. Freitag ist der Giro, Donnerstag fahre ich meine Vorbelastung, davor hat mir die Community drei Ruhetage verordnet. Oh nein! Ich werde ohne Downer in mein erstes Rennen gehen.
Ich bin so gut wie erledigt.

“Du hast wohl ein schlechtes Gewissen, was?” will K. wissen, als wir am nächsten Abend bei einem letzten Glas Sekt erschlagen auf dem Sofa sitzen. Wir haben ein vierzehnstündiges Programm aus Kalorienaufnahmemarathon und Küche-Kinderzimmer-Kellertreppen-Zirkeltraining hinter uns. Trotzdem war es eine schöne Feier, bei der ich versucht habe, K. so viel wie möglich abzunehmen.
“Nein, wieso?” antworte ich im Brustton der überraschten Unschuld. Ehrlicherweise müsste ich hinzufügen: “Jetzt nicht mehr.” Mache ich aber nicht. Ehetaktik.
“Na, weil du heute so viel gearbeitet hast. Ich musste ja fast gar nichts tun, außer mich feiern zu lassen.”
“Ach, das ist doch wohl selbstverständlich, Süße. An deinem Ehrentag!”
K. runzelt die Stirn.Ups, war das zu dick aufgetragen?
Aber dann sagt sie: “Das war ein toller Geburtstag. Danke schön!”, nimmt mich in die Arme und küsst mich.
Hach!
Das bringt mir bestimmt demnächst ein paar Extratage auf dem Rennrad ein.


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Kommentare

André schrieb am 9. September 2010 um 22:47 Uhr

Glückwunsch :)
Ich weiß noch wie sich das anfühlt, so was abzugeben, ist bei mir nur schon bald 10 Jahre her. Meins hat sich dann aber sch**** verkauft, na ja, als Autor gute Arbeit abgeliefert, aber wenn der Verlag einfach der falsche ist, kann man leider nix dran ändern. Na, wird mein einziges Buch bleiben, und der Stundenlohn war lausig und ist jetzt, bald 10 Jahre nach Erscheinen noch nicht einmal voll ausbezahlt.
Wünsch dir viel Erfolg ;)

chrispee schrieb am 10. September 2010 um 08:39 Uhr

Glückwunsch!

Das Buch wird im Oktober sofort gekauf! Die passende Lektüre für meinen täglichen arbeitsweg!

van impe schrieb am 10. September 2010 um 09:36 Uhr

Sachmah, der “Rob”, wer soll denn das sein? ;-)
Ich habe es bei Covadonga auch schon bestellt…

Thomas schrieb am 10. September 2010 um 11:52 Uhr

Hmmmm, wenn “Thomas” Thomas ist fühle ich mich sehr geehrt …
O mein Gott, jetzt bin ich berühmt!
Hab’ auch, wie schon erzählt, bei Amazon vorbestellt!

@andre: Immerhin Amazon Bestseller-Rang: Nr. 443.701 in Bücher
Aber!: Nr. 50 in Bücher > Freizeit, Haus & Garten > Garten & Pflanzen > Gartenbau & Gartenarchitekturen > Gartenteiche

Also wenn Du 50ster in deiner AK beim Giro wirst wäre das doch toll, oder ;-)

Chriss schrieb am 10. September 2010 um 12:08 Uhr

@thomas:rofl….irgendwie hatte ich gedacht, dass Andre´s Werk einen Bezug zu Radrouten, Radtechnik oder Training gehandelt hätte. Aber damit hatte ich nicht gerechnet…
@van impe: mir gefällt am Besten: “Rob wedelt mir mit dem Rest seiner Eiswaffel vor dem Gesicht herum, kuckt wichtig und fährt fort:…” Vor meinem geistigen Auge ist es zwar eine sehr kleine Kugel Eis, aber sie bewegt sich von rechts nach links

Ulf schrieb am 10. September 2010 um 12:30 Uhr

Danke für die Glückwünsche!

@Thomas: Sorry, auf Deine 15 Minuten Ruhm musst Du noch warten. Das hier ist der Oldenburger Thomas. Aber keine Sorge: Du kommst auch drin vor.

van impe schrieb am 10. September 2010 um 12:58 Uhr

Die Kunst der Dichtung liegt mitunter in der Übertreibung… der Freundschaftsbecher in Billerbeck wird ja auch im Weightwatchers Diätplan empfohlen – zum Abnehmen für Zwei.

Robert Landa schrieb am 10. September 2010 um 14:20 Uhr

Ulf, Deine Erinnerungen kommen bei amazon im Ranking gleich nach denen von Gerhard Berger. Und der fuhr deutlich schneller als DU. Du Hammertyp - und das mit Erkältung.

rob schrieb am 10. September 2010 um 23:06 Uhr

Und kannst Du mir das mal erklären:

Nr. 5 in Bücher > Sport & Fitness > Motorsport > Rennsport & Rennwagen

Ebenfalls aus den Amazon-Verkaufszahlen. Kannst mich schlagen, aber wie ein REnnwagen fährst Du nicht. Wasn da los.

michael k schrieb am 12. September 2010 um 11:29 Uhr

moin ulf,
danke für den hinweis! leseprobe gefällt mir. bin gespannt auf das
buch. gehört bald mir. dann fahre ich mein “training” eben lesend.
besten gruß, michael

Ralle schrieb am 12. September 2010 um 21:02 Uhr

Hallo Ulfi,

dufte Sache, das. Hab´ schon 2 Bücher vorbestellt. Du bist ja jetzt wieder schlank, wenn Du jetzt noch auf Mountainbike umsattelst, dann könnte Dein nächst Bestseller “Dünner Mann auf dicken Reifen” heissen… Munter

Tobi schrieb am 13. September 2010 um 10:17 Uhr

^Hörbuch wäre ganz nett, gelesen von Rob..

Wibke schrieb am 14. September 2010 um 20:56 Uhr

Hallo Ulfi,
gefällt mir gut, deine Leseprobe. Bin sehr gespannt.
Alles Liebe!

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