11. April 2012

Zwei Schaumschläger im Schaumburger Land

Eingetragen unter „Trainingstagebuch, Unterwegs, Die Leezenritter“ von Robert Landa

foto1164.jpgWie manche ja bereits wissen, befinde ich mich mit Matti gerade in einem kurzen Trainingslager (Mo-Fr) im Weserbergland. Wir sind beide sehr überrascht, wie gut diese Region zum Trainieren ist. Alles ist fein kombinierbar, gut erschlossen und durchaus anspruchsvoll.
Dieser Eindruck bleibt auch als Resumee nach den vier Tagen vor Ort: ein sehr nahgelegenes, tolles Revier, um Grundlage und Kraft zu trainieren. Preiswert noch dazu – und landschaftlich sehr schön – voller Sehenswürdigkeiten wie historischen Ortskernen, Burgern, Rittergütern, echt jovel.

Mo, 09.04.2012
Punkt 16.00 Uhr trafen Matti und ich am Ferienhaus in Bensen (ca. 400 EW) nach gut 1,5 h Autofahrt ein. Die FeWo war ganz OK, dabei auch sehr preiswert, wenn auch teils etwas eigenwillig zusammengestellt, was die Wahl der Deko betraf. Egal, alles funktionierte, TV gabs, also ab in die Leezenkowe und auf die Drahtesel. Bensen liegt direkt am Wesergebirgskamm, weswegen wir gleich in diese Richtung aufbrachen. Oben aus dem Dorf heraus gabs einen kleinen Wirtschaftsweg – “Och, komm probeiren wir einfach mal, mal sehen, wo der hinführt…” jaja, Ortunskundigkeit und Übermut enden meist mit roten Ohren. Langsam drehte der kleine Patt Richtung Hang und dann gings ungewohnt hoch. Mattis Garmin fiel nicht mehr unter 10%, dabei waren wir grad mal einen guten Kilometer unterwegs. Keuchend fragte ich regelmäßig nach den Höhenmetern… Nach 1,8 Kilometern hatten wir bereits 200 auf der Uhr, ich hatte einen Puls jenseits von allem, was gut ist und der Waldweg war zu Ende. Haha. Sackgasse. Geil. Kommando zurück. Wir sind dann noch nach Hameln gerollt, haben den Rattenfänger gesucht, den hatten die Baubetriebe aber eingezäunt. Die Tatsache, dass wir auf der grad mal 45 Kilometern bereits gut 500 HM gemacht hatten, war uns eine Lehre für den kommenden Tag.
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Di, 10.04.2012
Nachdem wir und gestern etwas drastisch eingerollt haben, lag heute die erste “richtige” Tour von Bensen über den Wesergebirgskamm im Bogen nach Steinhude ans Steinhuder Meer. Das Wetter spielte mit, es blieb die ganze Tour windig, trocken und kurz vor Schluss gabs sogar Sonne pur!
Die Anstiege hier halten alles bereit: von moderaten 5-6% über böse Sachen bis hin zu echten Gemeinheiten, die einem den Saft aus den Beinen ziehen. Höhepunkt heute: die Anfahrt zur Burg Schaumburg am Ende unserer heutigen Tour. Nachdem wir erst mal abgebogen sind und rauf in den gleichnamigen Ort gepeselt sind, was auch schon nicht ohne war, gings “Unter der Schaumburg” sofort wieder runter, was uns ratlos rollen liess. Des Rätsels Lösung: eine Abfahrt zu früh rein gefahren.
Als wir schon wieder fast unten an der Hauptstraße waren, kam der Abzweig zur Burg. Gemächlich schlängelte sich ein schmales Sträßchen in Bögen Richtung Zinnen. Um uns nach 400 Metern deutlich steiler anzugrinsen. 8,9,10% schalten, schalten, schalten. Einmal kurz in der Serpentine auf 8% zurück, und dann nur noch zweistellige Werte, die nach rund den 100km bis hierhin für mich ans Limit gingen, in der Spitze wurden meine Beine mittels 13% befragt, und das nicht nur mal eben. Es tat weh und es brauchte meinen Stolz, nicht aus den Pedalen zu gehen. In der Burg dann mit dem Rad weiter: “Guck mal Mama, noch ein Radler.” - Matti fuhr rund 50 Meter vor mir durchs Tor, wo die Steigung typisch mittelalterlich über 15 auf kurz 19% anstieg, es war nur noch Ehrgeiz, der mich die letzten 25 Meter nach oben in den Burghof trieb. Geschafft, und dann erst mal Ausblick geniessen… Zum Glück wars Wetter prima, gab schöne Bilder.
Der Rückweg ging auf Reservebatterie, ich war doch platt. Gut 1000 HM warens heute, in zwei Paketen verabreicht, die Mitte war flach. In der Summe rund 120km. Und mit 5 bis 6 BFT echt gut Wind…
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Mi, 11.04.2012
Da das Wetter erst mittags besser werden sollte, hatten wir unsere Tour “Rund um Schloss Marienburg” den Start auf 12.00 Uhr gelegt. War auch nicht schlimm, denn so konnten sich meine doch spürbar strapazierten Beine lnger erholen. Die Anfahrt zum Schloss war sehr schön, sehr flüssig und hat einfach nur Spaß gemacht. Das lag am Rückenwind. Schloss Marienburg lag natürlich auch auf einem Hügel, der Anstieg war jedoch deutlich moderater als am Vortag der zur Schaumburg hoch. Das Schloss selbst hatte verblüffende Gemeinsamkeiten mit dem Potterschen Lehrinstitut. Nur die im Rudel auftretenden Rentner holten einen schnell in die Realität zurück.
Dann kam der Rückweg. Kein Wald, kein Haus, kein Windschutz, eine lange, lange Bundesstraße – und mächtiger GEGENWIND frontal. Grauenhaft. Dann doch lieber bergauf. Wer braucht Gegenwind? Niemand. Dafür, dass Bikemap rund 400 HmM angegeben hatte, war die Strecke phasenweise doch recht hügelig – am Ende warens wieder gut 800 HM… Wir waren jedenfalls froh nach gut 100 Kilometern wieder daheim zu sein – und ziemlich platt. Am Donnerstag drohte die Königsetappe. Ich hatte Sorgen. Ich habe sie abends in der Sportsbar beim Dortmunder Sieg gg Bayern mit zwei Bier ertränkt.
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Do, 12.04.2012
Es gibt im Leben eines Radfahrers Momente, die er nicht vergisst. Entweder, weil sie wunderschön waren, weil sie grauenhaft waren – oder beides. Dieser Donnerstag war beides. Ich hatte schon morgens schlechte Beine, ich wusste, das würde für mich echt ne harte Nummer. Matti: “Wenn ich sagen würde, meine Beine fühlen sich jungfräulich an, würde ich lügen.” Der hatte gut reden, meine Beine fühlten sich an wie Pflegestufe zwei.
Wir waren mit Patrick zum Radeln verabredet, Treff sollte hinter Lemgo sein. Ab Rinteln gings zu zweit los, erst über die Bundesstraße, dann ab in den Teutoburger Wald. Erst sanft rauf und runter, dann ruppiger. Meine Beine schmerzten bei allem über fünf Prozent. Das konnte ja heiter werden. Bis Lemgo hatten wir Zeit verloren, mal ne Baustelle mit Umgehung, dann wieder mehr Hügel als gedacht. In Lemgo haben wir Patrick nach Telefonkonferenzen irgendwo bei Brake getroffen und sind guter Dinge weiter nach Detmold. Guter Dinge bis kurz vor Detmold zumindest. “Scheisse, Patrick, was ist das denn?” “Das ist die Wand von Detmold.” Aua,aua,aua. Sehr viel mehr hab ich nicht gedacht. Irgendwann war ich dann oben, wo die beiden sicher schon zwei Stunden auf mich gewartet haben…
In Detmold, kurz vor unserem eigentlichen Reiseziel, bestand ich auf einer Pause mit Labung. Nach einem großen Kaffee, einem Pizzasnack, einem Muffin und diversen Seufzern zurück in den Sattel. Und rauf zum Hermannsdenkmal. Merke: es gibt zwei Seiten. Wir sind die “liebe” Seite hoch getreten. Doch auch die war weniger lieb als erhofft. Bis 14% (nach Mattis Aufzeichnungen). Es war das erste Mal, das mir die Sätze alter Bergfahrer in den Kopf kamen. “Einfach nur die Kurbel rumdrehen, immer nur an den nächsten Tritt denken, gleichmäßig atmen.” Ich wollte nur noch oben ankommen. Matti und Patrick waren schon seit Minuten außer Sicht. “Der Wald wird lichter, es kann nicht mehr lange dauern, gleich, noch eine Kurve, noch eine, noch eine, da endlich der bekackte Parkplatz.” Zusammen hoch – und statt der erwarteten Assicht bis ins Münsterland: Nur Bäume und den Berg gegenüber. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Trotzdem beschlich mich etwas Stolz, denn das hatte wirklich richtig wehgetan heute.
Jetzt mussten wir nur noch zurück. Hihi.
Dank Rückenwind gings irgendwie, sogar etwas besser als erwartet. Wir waren nachrund fünf Stunden Fahrzeit wieder am Auto. Gut 120 Kilometer und rund 1.300 Höhenmeter waren dann der Schlusspunkt.
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Ums kurz zu machen: Ich schreibe das mit echt voll ausgewachsener Muskelpiene. Meine Ambitionen an diesem Wochenende zu leezen halten sich in Grenzen. Geht einfach noch nicht. Mal sehn, vielleicht am Sonntag. Doch im Weserbergland, so Mattis und mein Resumee, sind wir garantiert nicht das letzte Mal gewesen. Es war ein Toprevier.


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Kommentare

Susanne schrieb am 12. April 2012 um 16:25 Uhr

Viel Spaß noch!

PS: Wir sind hier aber nicht ‘zurückgeblieben’,
höchstens ‘daheimgeblieben’ :-)))

Christian schrieb am 12. April 2012 um 21:59 Uhr

haha, der war gut…

rob schrieb am 12. April 2012 um 23:08 Uhr

zu meiner schande gestehe ich dies wortspiel als durchaus bewusst ein. aber ich meine ja alles lieb.

ingo schrieb am 14. April 2012 um 10:18 Uhr

Ja, der Hermann ;-) Erinnert mich an letztes Jahr mit Henning und Matze. Ich kann Dir sehr gut nachfühlen. Seid Ihr dann wenigstens die “nicht liebe” Seite runtergefahren?

Patrik schrieb am 14. April 2012 um 11:09 Uhr

Schöner Bericht Rob.
Beim nächsten Mal zeig ich euch dann den Ardennen- und Flandernpark ;)

Matti schrieb am 14. April 2012 um 13:16 Uhr

Jo schön wars

@Ingo

Ja sind die nicht schöne Seite abgefahren

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