26. Mai 2008

Harz macht härter

Eingetragen unter „Unterwegs, Team Leetzenritter“ von Robert Landa

harz.jpgHier der Bericht über unser Trainingswochenende zwischen Brocken und Elend.
Ein absolutes Highlight und ein wunderbares Gruppenerlebnis.
Das war sicher nicht das letzte Trainingswochenende der Leetzenritter in großer Runde.

Freitag, 16. Mai 2008 (der Prolog)
start.jpg Dach- und Heckgepäckträger, sowie die Kofferräume der 4 PKWs waren gut gefüllt, als wir uns um 14.30h von Münster aus auf den Weg in unser Trainingswochenende im Harz machten. Obwohl Kachelmann und Konsorten ein nasses Radeln vorhersagten, hatten wir uns zur Reise entschlossen. Dass es zum Glück dann doch weitgehend trocken blieb, freute uns umso mehr.

forsthaus.jpgNach rund vier Stunden Fahrt erreichten wir Schierke und rollten langsam vor unsere Bleibe für die kommenden zwei Tage, das „Ferienhaus Familie Kah“, das wir 10 Leetzenritter komplett auslasteten. Der erste Eindruck bestätigte sich auch innen, die Familie Kah hatte eine sehr schöne Unterkunft eingerichtet, alles nett und in allerbesten Zustand. Im geräumigen Vorraum konnten wir unsere Leetzen deponieren und eine Tischtennisplatte versprach Spaß am Abend. Danke Herr Kah, das war perfekt!

citysprint.jpgNachdem wir uns kurz umgezogen hatten, um noch ein wenig einzurollen, fiel mir die schöne Aufgabe zu, im Restaurant-Hotel König noch einen Tisch für alle zu ordern. Die Auffahrt dorthin ist rund 350m lang, hat in Teilen bis zu 20%+ und wird auch als Rennen gefahren („Schierker Citysprint“, siehe Foto), Streckenrekord liegt bei 59 Sekunden.
Das mir, aus dem Stand mit kalten Beinen? Mamma mia, auaaua. Unten dann die feixenden Gesichter der Kollegen… feixen.jpg

Auch wenn es langsam dämmerte, wollten wir wenigstens noch etwas fahren und wuchteten uns direkt eine Rampe hoch, um aus dem Ort raus zu kommen. Warm waren wir nun alle und rollten tacko in den Nachbarort Elend, vorbei an einem Schild auf dem ein rotes Dreieck 12% Gefälle auswies. Am Bahnhof entstand folgendes schöne Bild.
spasundelend.jpg

Nur mussten wir halt auf der gleichen Strecke wieder hoch… was tut man nicht alles fürs Abendessen.
Ein guter Vorgeschmack auf das, was uns hier in den kommenden zwei Tagen erwarten würde. Nach einem Badezimmersprint mit Duschwertung gings hoch zum Restaurant – zu Fuß. ;-) Das Abendessen bei „König“ mundete vorzüglich, zwischen Spargel- und Wildgerichten gabs auch noch manch Hiesiges wie Solianka und Harzer Sülze. Sehr gut.
Der Abend klang dann im Ferienhaus bis weit nach Mitternacht bei Lowine und Tischtennis aus – sehr lustig.

Die Fortsetzung (Samstag) folgt dann morgen.
So, nun am Samstag Abend, 24. Mai, einen Woche später, mit ähnlich schweren Beinen (was für ein ätzender Wind heute) also das Tagebuch zum Samstag in Schierke und Umgebung.

112 km fürs Familienalbum - Samstag, 17. Mai 2008

In den Gesichtern die Spuren der gestrigen Nacht und in den Gliedern die Vorfreude auf das, was bald kommt, fanden wir uns um 8.00h zum gemeinsamen Frühstück im Nachbarhotel ein, wo ein gut gemischtes Buffet und gute Laune untereinander einen im Rückblick fast perfekten Tag einläutete. Wenig später, gegen 9.15 h fanden wir uns auch nach und nach auf unserern Rädern auf der Alten Dorfstraße in Schierke ein, um die uns schon gut bekannte 12% Rampe hoch und dann hinab nach Elend zu sausen.

strecke.jpg Über wunderschöne kleine Landstraßen schlängelte sich unser Weg nach Königshütte und von dort nach Elbingerode. Eine in unserer Karte nicht erfasster Anstieg (9%) überraschte uns kurz nach dem Ort und liess so manche Bronchie piepen. Insbesondere Werner sei hier noch einmal Hochachtung ausgesprochen, denn noch schleppt er ja etwas “Gepäck” mit sich. Insgesamt lässt sich sagen, dass “eher flach” (so Bikemap.net) nicht wörtlich zu nehmen ist, denn alles unter 4% wird in den Karten nicht erwähnt.

kleine_broetchen.jpg Die Innenstädte, die wir in der Folge passierten, waren zwar noch nicht touristisch aufbereitet, aber voller Charme, viel Sandstein, altes Gemäuer und hier und da ein Adelssitz - wirklich schön. Kurz vor Heimburg kam dann noch ein weiterer, langer Anstieg, der Werner zur Einsicht bewog, dass es wohl besser sei, hier Kehrt zu machen und erst einmal kleinere Brötchen zu backen.
Wohl richtig, und nachdem ein Leetzenritter wichtige, drängende Geschäfte erledigt hatte, setzten wir unsere Reise in verschiedene Richtungen fort - 9 Leetzenritter in die eine und Werner in die andere Richtung, begleitet von unseren Aufmunterungen…

Dass nun eine 10 minütige Abfahrt begann, die einfach nur traumhaft war, konnte der liebe Werner ja nicht ahnen.
Wie sich später herausstellte, ging hier nicht nur mir der Gedanke durch den Kopf, dass man das ja auch alles wieder hoch muss. Dazu später. Hinter jeder Kurve kam ein neues Stück Gefälle, weit über 65 km/h zeigte mein Tacho zwischenzeitlich und Davids (und Hennings) sicher noch ein paar Kilometer mehr. Die Jugend ist halt ohne Furcht…

huihuihui.jpgIn Derenburg übermannte mich dann wohl die Lust auf den nächsten Anstieg, folgenschwer bogen wir rechts ab und machten so 12 harte Extra-Kilometer. Werch Illtum! Kurz vor Halberstadt also wieder zurück :-( und dann in Derenburg richtig abbiegen, nämlich links nach Danstedt. Die Leetzenritter waren wieder auf Kurs.
Es wurde langsam später Vormittag(immer noch weitgehend trocken), die ersten Powerbars und Maximchen waren verkasematuckt und die ersten Flaschen geleert. In Kürze sollte mittäglich eingekehrt werden, in Huy-Neinstedt. Kurz zuvor erwartete uns noch eine lange 7% Auffahrt, die den Hunger auch nicht grad kleiner werden liess. Das Gasthaus in Huy war jedoch Pfui, also weiterpeseln.

bardesleben.jpgErst in Badersleben, wo uns ein stillgelegter Bahnhof als Pausenstation erwartete, fanden wir was wir suchten. Fritjes met Frikandel, Fritjes speciaal, schön holländisch zu bereitet von einem niederländischen Paar, das sich hier für wenig Geld den Traum von einer Bikerstation verwirklicht hatte. Voll Leetzenritter-mäßig. Als dann noch die Sonne rauskam, war alle Piene vergessen und das alkoholfreie Weizen gluckerte munter durch die Kehlen. Mein Tacho zeigte bereits 72 km als wir Badersleben verliessen, um uns auf den Rückweg nach Wernigerode zu machen.
Durch eine Vollsperrung mußten wir unsere Route in Langeln ändern, passierten Schmatzleben :-) und erreichten schliesslich unter dunklen Wolken Wernigerode.
13km_schierke.jpgUnsere Verabredung mit Werner auf der Strecke zwecks Fototermin stellte sich leider als echtes Hemmnis heraus. Noch nie habe ich unter freiem Himmel auf dem Rad bei schovler Meimelatur eine SMS geschrieben. Mann, war ich nass!

Am Ortausgangsschild sammelten sich die Verbliebenen 9 und begaben sich nach und nach auf den Teil der Strecke, der auch die erste Hälfte des so genannten “Brockenkönigs” ausmacht: den 10 km langen Anstieg von Wernigerode nach Zwei Annen Hohne. Mit kurzzeitigen Steigungswerten von 12% geht das Ganze nach 97 km dann doch ordentlich in die Knochen. Auch ich habe gegen Ende seltsame Geräusche von mir gegeben. Geschafft habens letztlich alle, und oben wurden die Wunden geleckt, Schultern geklopft und Hände abgeklatscht.
ziehentreten.jpgbeissen.jpgkurzvorschierke.jpg
Nach kurzer Abfahrt in Schierke angekommen hatten wohl alle nur einen Wunsch: Duschen.
112 km standen schliesslich auf dem Sigma. Und in unseren Gesichtern.
Der Abend fand ein segensreiches Ende bei König zwischen Lowine und Schierker Feuerstein - und gegen Mitternacht war in allen Wohnungen das Licht aus. Bubu - denn der dickste Brocken wartete ja noch…

to be continued soon - der Sonntag

Weiche Beine auf 1142 m, Sonntag, 18. Mai 2008

13grad.jpg Für den Sonntag hatten wir dann die Auffahrt zum Brocken von Schierke aus auf dem Programm stehen. Nachdem wir gefrühstückt und unsere Klamotten in eine der drei Wohnungen gepackt hatten, fanden wir uns bei kühlen 13 Grad vor dem Ferienhaus zusammen. Vorfreude und Respekt mischten sich in den Gesprächen. Alle hatten sich etwas wärmer eingepackt, oben sollte es deutlich kühler sein. Hungerast und flaues Gefühl sollten kein Thema sein, weshalb Karina (glaube ich) vier Bananen in der Rückentasche mitnahm. Das sollte für die knappe Stunde Auffahrt wohl reichen. :-)

streckebrocken.jpg Zunächst gings raus über die wohlbekannte kleine Rampe, dann einige Kilometer recht flach bis zur Schranke, die die Brockenstraße für den Alltagsverkehr sperrt. Durch den Wald ging es langsam, aber stetig aufwärts und die Gruppe zog sich nach und nach immer weiter auseinander, denn die Devise war: jeder in seinem eigenen Tempo. Zwischendurch wurde kurz gestoppt, um die Leetzenritter wieder zu sammeln. Kurz durchatmen, was trinken, warten bis der Puls wieder unter 145 sinkt und dann wieder in die Pedale (was bei einer 6% Steigung manchmal gar nicht sooo einfach ist…

erste_etappe_brocken.jpg Der Straßenbelag war äußerst ruppig, oftmals mussten wir im Zickzack hoch, weil Schlaglöcher eine Geradeausfahrt unmöglich machten. Die Schilder 700 HM und 800 HM wurden nocht recht zügig gemeistert, im weiteren Streckenverlauf machten immer wieder fiese Rampen bis 12% eine Änderung der Trittfrequenz, bzw. ein Runtersschalten notwendig… Der Atem ging nun schwer und drei MTBler waren willkommene Ziele für ein Überholmanöver (Neid angesichts der Übersetzung, die die fahren konnten). “”Eyh, das ist gemein, Eure Räder sind viel leichter!” hörte ich hinter mir. :-)

Wenig später rollte mir dann ein Vehikel entgegen, das sich eigentlich mit Worten nicht beschreiben lässt: Ein kleiner hutzeliger Greis in einem dreirädrigen Bollerwagen rauschte talwärts an mir vorbei und hatte sicher mehr als dreissig Sachen drauf - während ich mich mit 12 km/h hochschleppte. Geschmergelt habe ich nur einmal an diesem Vormittag, dafür aber lange. Immer kühler wurde es, auch die eigene Betriebstemperatur konnte nicht darüber hinweg täuschen, dass es oben wirklich kalt würde. 900 HM, noch ein Kilometer und eine harte Steigung später wurde der Blick auf den kahlen Brockengipfel frei. Endlich!

letzte_kurve.jpg In der nun kommenden Kurve wurde noch einmal mächtig Druck auf die Pedale verlangt - innen waren es wohl mehr als 16%, dann noch ein kurzes Steilstück und die letzten 400 m hoch wurden im kleinen Gang, schwer atmend und einigermaßen am Pulslimit durchgezogen. Uffuffuffimmerweiterruff. Das letzte Stückchen führte über sandigen Boden und die Felsen die den Gipfel markieren waren ein prima Leetzenständer.
brocken_gipfel.jpg Kurz drauf waren alle anderen auch oben, nur Werner, der sich noch auf dem Fußweg nach oben befand, kam erst eine halbe Stunde später. Das war ein durchaus hartes Stück Arbeit für einen Berg im Mittelgebirge, würde ich zusammenfassend sagen.

Erschöpft aber stolz froren wir kurz bei 5-6 Grad und wechselten zügig ins Brockencafé um uns bei einem Kaffee etc. aufzuwärmen.
brocken_kaffee.jpg Nach einer guten halben Stunde ging es an die Abfahrt, die man mit Fug und recht als halsbrecherisch bezeichnen kann (keine Fotos…=8-o). Wer mit knapp fünfzig über einen der dicken Buckel auf der Piste gerauscht ist, hat Mühe, die Leetze in der Spur zu halten. Also lieber langsamer. David und Henning na klar vorneweg (teilweise mit über 65 km/h - “Sturzflug”). Ich selbst (wie die anderen) mit eiskalten und steifen Fingern, konnte zwischenzeitlich nur noch mühsam bremsen, es war wirklich saukalt. Die ganze Zeit (20 Minuten) in den Pedalen stehen, wegen der Schlaglöcher, nee, jovel war das nicht. Unten überwog jedoch die Freude und der Stolz, das alles gemeinsam bewältigt zu haben.

Duschen, packen, Leetzen demontieren, verabschieden (nochmals danke Herr Kah für Alles) - und in Wernigerode gabs zum Tanken ein sehr fettiges aber leckeres MAXI_MENÜ bei einem international tätigen Gastronomiebetrieb, bevor wir zügig in die Münsterländische Parklandschaft zurückreisten. Achja. Schön hier, aber so brettflach.
Fazit: Das war fein, das machen wir dies Jahr noch einmal - in Tecklenburg? Mal sehen.


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Kommentare

henning schrieb am 21. Mai 2008 um 11:26 Uhr

… wat häb wi lacht! i like holzkutscherpfanne! ich schick auch noch mal ein paar nette teambilder! top! die drei elend-poser geben ja alles!!

thiemo schrieb am 21. Mai 2008 um 18:03 Uhr

badezimmersprint mit duschwertung…SEHR gut:-)

Christian schrieb am 25. Mai 2008 um 01:39 Uhr

ein dickes lob an rob ! wie immer sehr schön geschrieben, besser hätte ich es auch nicht machen können !

Chriss schrieb am 25. Mai 2008 um 21:25 Uhr

nach 5 Tagen ohne Internet bin ich voll des Lobes ob dieses schönen Artikels ;.)

Werner schrieb am 26. Mai 2008 um 10:43 Uhr

Tja, das “Gepäck” wird weniger und die Berge zu Hügeln. Vielen Dank an alle Leetzenritter, die mich die “Hügel” hochgequasselt oder anders unterstützt haben. Klasse Bericht Robert.

Henning schrieb am 26. Mai 2008 um 12:03 Uhr

… jau – merci fürs revue passieren lassen, rob. unsere bilder gibts auch bald mal, momentan ging der umzug vor und online sind se zuhause auch noch nicht… morgen jemand um 18.30 - 19.00 uhr in die baumberge?

Robert Landa schrieb am 26. Mai 2008 um 12:10 Uhr

einer biene sei dank, habe ich erst mal trainingsfrei, weil ich den helm nicht mehr auf die omme bekomme. ist mir bei der abfahrt vom longinus in den helm geflogen und hat sich auf meiner stirn ausgetobt. ich seh aus - zombie goes beluga. vor donnerstag wirds bei mir nix.

Henning schrieb am 26. Mai 2008 um 16:34 Uhr

hörnchen, woll? wenn der kopp von innen in die luftschlitze des helms schwillt – dat isset! gute besserung bzw. gutes abschwellen (obenrum!)

Robert Landa schrieb am 27. Mai 2008 um 09:51 Uhr

Danke für die Wünsche, aber ich seh aus wie Graciano Roccigiani nach dem Kampf gg. Darius Michalszewski - übel…

Karina schrieb am 27. Mai 2008 um 22:12 Uhr

Das mit den vier Bananen halte ich für ein Gerücht… Ich hatte nur zwei, und eine davon war für Chriss! Aber der Rest geht in Ordnung, danke für diesen schönen Artikel!

Thomas (bonecollector) schrieb am 29. Mai 2008 um 11:56 Uhr

Hallo Robert, vielen Dank für die nette Einladung zur team-präsentation.
Bin leider im urlaub .. kollege möllmann kommt aber.
frage: fährt heute jemand so gegen 18.00 für 2 stündchen?

Robert Landa schrieb am 29. Mai 2008 um 12:03 Uhr

Der Christian Patte wollte heute eigentlich fahren… Treff wäre an der bekannten Einfahrt zum Mövenpick, bzw. Abzweig Zoo. Ich kann leider nicht, fahre erst morgen Nachmittag um 3 für drei/vier Stunden - Richtung Tecklenburg.

de Hoogd schrieb am 29. Mai 2008 um 21:18 Uhr

Hi Rob.

super bericht! hab echt spaß beim lesen gehabt und dank an alle leetzenritter für das tolle wochenende.

henning schrieb am 30. Mai 2008 um 09:48 Uhr

um drei. ich lese es gerade. mal sehen, ob ichs schaff. war gestern abend auf der grausamen acht. gegenwind vom stevertal bis fast zum longinus… uff. wo gehts denn los? und was für ein tempo ist angepeilt?

Robert Landa schrieb am 30. Mai 2008 um 09:59 Uhr

Hi Henning, es wird wohl doch 15.30h bevor ich starte.
Meine Planung sah Folgendes vor: Entspannt ohne Raserei über Ladbergen nach Tecklenburg, hoch, rüber nach Lengerich und anschließend auf der Strecke des Giro zurück. Ca. 4h würde ich schätzen, mit einer kleinen Pause. Wäre mal was anderes als immer nach Westen…

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