– und die Laune Kellerniveau hat:
KETTE RECHTS – IM GROSSEN GANG DURCH DAS UNNÜTZE RADSPORTWISSEN!
Das kleine Büchlein aus dem Covadonga–Verlag hebt die Laune sofort. Handlich im Format, 128 Seiten dick und sehr, sehr lustig.
Z.B.:
“Unterzuckerung International
Deutsch: Hungerast
Englisch: bonk
Französisch: la fringale
Italienisch: Crisi di fame
Niederländisch: Hongerklop”
Oder dies hier – beruhigend:
“Universitätsklinik Köln, 2001: Nach drei Stunden im Sattel erwärmt sich das Skrotum von regelmäßig und in hohem Maße aktiven Radfahrern zwar durchschnittlich um 3,3 Grad Celsius auf 36,6 Grad Celsius, dies führt aber zu keiner signifikanten Beeinträchtigung hinsichtlich der Spermakonzentration, morphologie und -motilität.”
Und wer noch nicht wusste, dass Franz-Joseph Strauss 1869 eine Polka über’s Radfahren geschrieben hat – der weiss es jetzt.
TOP-BUCH – schenken lassen und verschenken.
Andreas Beune, Walter Drögenpütt
KETTE RECHTS
128 Seiten, Covadonga, Bielefeld • 8,80 €
Bewertung: *****/******
Im Challenge-Magazin steht ein sehr lesenswerter Artikel über den Hobbyradsportler Klaus Bottelier,
der schwer an einer Depression erkrankt ist. Er hat eine Stiftung gegründet, die “Foundation DOWN AND UP”. Mit Hilfe des Radsports will er Wege aufzeigen, wie man die Krankheit im Zaum hält und sich neue Ziele setzt.
In 2009 hat er sich vorgenommen 100 Gipfel zu bezwingen – doch lest selbst *click*.
Aktuell lese ich als Bettlektüre ein empfehlenswertes Buch aus dem ausgezeichneten Covadonga-Verlag: “Der vergessene Weltmeister”. Es vollzieht das kurze Leben des Deutschen Albert Richter (1912 – 1940) nach, der im Jahr 1932 Amateurweltmeister der “Flieger”, einer Variante des Bahnradsports wurde. Aus einfachen Verhältnissen kommend, legte der Kölsche Jong eine Karriere auf die Piste, die ihn nach Paris führte, und ihn bald zu einem wichtigen Athleten des Sechstage-Jetsets machte. Seine die Nähe zu den Nationalsozialisten vermeidende Haltung bei öffentlichen Auftritten zog bald die Kritik der gleichgeschalteten Radsportfunktionäre auf sich. Als er sich schließlich 1939 zur Flucht in die Schweiz entschloss, wurde er von Unbekannten verraten, Anfang Januar 1940 an der Grenze in Lörrach von der Gestapo festgesetzt und wohl nach nächtlicher Folter ermordet.
Erst Ende der 80er Jahre besannen sich zwei Kölner Filmemacher des “vergessenen Weltmeister” und begaben sich in einer Dokumentation auf seine Spuren. Heute trägt das Kölner Radstadion seinen Namen und jüngst wurde an Richters Geburtshaus ein “Stolperstein” gesetzt. Das Ganze ist fesselnd geschrieben und wirft einen hochinteressanten Blick hinter die Kulissen des Radsportzirkus’ der 30er und 40er Jahre.